Seit über 30 Jahren gibt es das neue Reit- & Springsport Zentrum in Sielow. Zum Ende des Jahres 2020 wechselte der Eigentümer, jetzt wird die Anlage von der JS Schnapke GbR geführt.

Geschichte des Reitsports in Cottbus Sielow

Wenn man heute vom Reitsport Cottbus-Sielow spricht, tauchen immer wieder Namen auf, die einst den Grundstein für den reiterlichen Erfolg in der Lausitzer Region legten, so zum Beispiel Helmut Schiedich, Gottfried Dietze, Helmut Riehl und Dieter Pumpa.

Helmut Schiedich zählte 1960/61 zu den Gründern des Sportvereins „Traktor", nachdem das bisherige Domizil der Reiter, die GST Gallin­chen aufgelöst wurde. Grund dafür war ein Beschluß, alle Tiersportarten, wie Hunde-, Pferde- und auch Tau­bensport aus der Gesellschaft für Sport und Technik auszugliedern und dem Deutschen Turn-und Sportbund, kurz DTSB, anzugliedern.

Der junge Sportverein kam somit über Nacht in den Besitz von 3 Pferden - Satan, Pik Bube und Herold. Schon damals teilten sich Helmut Schiedich (Organisation) und Dieter Pumpa (Ausbildung und Sport) die Leitungsaufgaben.
Pfingsten 1964, am 07. und 08. Mai war es dann endlich soweit - nach mehr als 4000 freiwilligen Aufbaustunden präsentierte sich die bis dato unscheinbare Reitanlage am Briesener Weg in Sielow in neuem Glanz. Die 25 Mitglieder des jungen Vereins hatten buchstäblich Tag und Nacht trainiert und gearbeitet, um dieses 1.Pfingsttumier nach dem 2. Weltkrieg in Cottbus-Sielow zu einem reiterlichen Höhepunkt werden zu lassen.

Berichtet man heute über diese Zeit, kommt man nicht umhin, auch den Lebenslauf eines Burger Jungen zu lesen, der kaum auf den eigenen Beinen stehen konnte, nur noch Pferde in seinem Sinn hatte - Dieter Pumpa. Er ist von der ersten Stunde des Reitsports in Sielow dabei und unter seiner Federführung wurde 1964 die neue Tradition der Pfingstturniere in der Niederlausitz ins Leben gerufen. Doch nicht nur organisatorisch lag das Turnier in den jungen Händen, mit eigenem Pferd sollte es auch auf der sportlichen Karriereleiter steil nach oben gehen. Dieter Pumpa, so schrieb damals die Presse, ein junger Gärtner der GPG „Floralia", gilt mit seinem Pferd „Mira" als einer der Hoffnungsträger der Saison '64. Als Autodidakt hatte dieser junge Reiter sich seine Sporen verdient und noch heute denkt er an seinen ersten Start 1963 in Sedlitz zurück: ,,Niemand wußte wie es in mir aussah, ich mußte „Mira" unbedingt durchbringen, sie darf mich bloß nicht im Stich lassen." Im Springen Klasse A platzierten sich Pferd und Reiter auf Platz 5, im Wahlzeitspringen sicherten sie sich den. 6. Platz und im Springen der Klasse L ging alles schief. Dennoch, Dieter Pumpa war mit seinem Pferd und seiner eigenen Leistung zufrieden: "Mein größter Wunsch war es. in dieser Saison noch mindestens ein L-Springen zu gewinnen". Es wurden ungezählte noch im gleichen Jahr und schon 1964 gehörte der nunmehr 23jährige zum Bezirksleistungsstütz­punkt Lübben und startete im M-Bereich (mittlere Klasse).

4mal wöchentlich Training im Springen war die Norm nach anstrengenden Arbeitstagen, parallel dazu die Vereinsarbeit, der Ausbau der Stalljungen, die Pferdepflege - Dieter Pumpa hatte nicht die Pferde , die Pferde hatten ihn und so war es auch folgerichtig, dass Dieter Pumpa 1974 sein Hobby zum Beruf machte und als inzwischen geprüfter Veterinär Ing. , Leiter der Betriebssportgemeinschaft (BSG Reiten) in der LPG „Frieden" in Sielow wurde.
Ob „Kaplan", .,Sky Rocket". Robin. Fly", Estrade oder Gerrick" um nur einige zu nennen, Dieter Pumpa ritt mit seinen Pferden auf der Erfolgslinie. Fragt man ihn heute nach seinen schönsten Turnieren. so nennt er in einem Atemzug Wroclaw. Gera, Magdeburg und natürlich immer wieder die Turniere vor heimatlicher Kulisse in Cottbus-Sielow. Mira und Sky Rocket sind neben dem aktuellen Champion des Sielower Reitvereins die Lieblinge des inzwischen vom ak­tiven Turniersport zurückgetretenen Reiters.

Dennoch, jedesmal wenn die neue Saison beginnt, zuckt es in den Beinen von Dieter Pumpa und wer ihn einmal auf der Zuschauertribüne gesehen hat, wenn einer „seiner" Reiter über den Parcours fegt, der weiß, Dieter Pumpa springt auch heute in Gedanken über jedes Hindernis mit.
2000 zufriedene Zuschauer erlebten 1964 das 1. Pfingstturnier in Sielow. Im Wahlzeitspringen gewann Inge­borg George, Aktivist Sedlitz, auf Markomanne, die Dressur Willi Homann aus Kiekebusch auf Roberta und in der Springprüfung Klasse A für alle Pferde, sowie nach einem tollen Ritt im Springen der Klasse L Dieter Pumpa aus Sielow auf Mira.
Eine neue sportliche Tradition war geboren, In den folgenden Jahren galt das Pfmgstturnier in Sielow als Eröffnungsturnier für die Bezirksmeisterschaft des Bezirkes Cottbus im Pfer­deleistungssport.

Sportliche Erfolge, wie der mehrfache Bezirksmeistertitel von Dieter Pumpa oder die DDR-Jugendmeistertitel 1976 und 1977 für Hagen Ridskowski und Lutz Göttert, ließen den Verein über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt werden.
Pfingsten 1980 konnten die Sielower nicht nur auf zahlreiche sportliche Erfolge in den 20 Jahren des Bestehens verweisen, sondern auch viele Gäste aus nah und fern zum inzwischen 13. Pfingstturnier einladen. Eine neue Kampfrichtertribüne zierte inzwischen den 2 Hektar großen Platz umsäumt von Nadel- und Laubwald - vor den Toren der jungen Großstadt Cottbus.
Auch anläßlich des Pfingsttreffens der FDJ im Juni 1981 gingen die Reiter aus Sielow an den Start, Gäste aus den Be­zirken Halle, Leipzig, Frankfurt/Oder, Dresden und Cottbus ritten mit insgesamt 102 Pferden vor mehr als 3000 Zuschauern um Platz und Sieg.
Im Mächtigkeitsspringen, dem absoluten Höhepunkt dieses Turnieres, wurde es dann spannend. 23 Reiter gingen damals auf den 280 m langen Parcours der 7 Hindernisse, 13 Reiter überstanden den schwierigen Ritt fehlerfrei. Vor dem dritten Stechen um den Sieg, waren noch 3 Reiter fehlerfrei in der Bahn. Das Mauerhindernis hatte inzwischen eine Höhe von 1,90 m erreicht. Doch auch in diesem Stechen fiel keine klare Entscheidung, so daß zum Schluß 2 Sieger im Mächtig­keitsspringen feststanden: Dieter Pumpa auf „Sky Rocket" und Wolf Lahr aus Köllitzsch/Bezirk Leipzig auf „Ingolf'. Dritter wurde in diesem spektakulären Springen Bernd Große auf der temperamentvollen Stute „Südsee" mit einem Abwurf. In der Dressur gewann damals erwartungsgemäß der frühere Olympiateilnehmer Wolfgang Müller vor der mehrfachen DDR-Meisterin Ina Saalbach (beide Löbnitz).
1983 - ein weiterer Meilenstein in der Turniersportgeschichte der Lausitz. Sielow lud erstmalig zu einem internationalen Reit- und Springturnier ein und Spitzenathleten aus 30 Reitsportsektionen des Landes kamen. 11.000 Zuschauer erlebten erstmalig in Sielow die Reiter auch aus dem polni­schen und tschechischen Nachbarland.

Einladung in diese Länder folgten, nicht nur zu Turnieren, sondern auch zu Reitjagden, die besonders bei den polnischen Reitfreunden als absoluter Leckerbissen für Pferdenarren gel­ten. Inzwischen erhielt der Reitverein auch diverse staatliche Anerkennungen, so zum Beispiel als anerkannter Pferdezucht- und Exportbetrieb.

I991 wurde dann ein neues Kapitel in der Geschichte des Reitsports in Sielow aufgeschlagen. Der Verein zog aus der „alten Ranch", so nannten die Reiter liebevoll ihr Domizil im Herzen des Dorfes, in den neu errichteten .,Reiterhof Dieter Pumpa". Hier fanden nunmehr die Pferd und Reiter hervorragende Bedingungen um ihrem schönen Sport zu frönen.
In unmittelbare Nachbarschaft zum Reitstadion konnten nun die Reiter in einer neuen modernen Halle trainieren - Sommer wie Winter. Neue Sportfreunde fanden den Weg nach Sielow - unter der Leitung von Fred Gidow entstand wieder eine Juniorenmannschaft, die sich bald auf den Reitplätzen der Region einen Namen machen konnte.
Sandra Marras mit ihrem Pferd Jane und Sandy Rischk, die übrigens in diesem Jahr in den Leistungskader aufgenommen wurde, konnten sich in der 94er Saison einen Namen machen Noch 1991 erhielt die :Reitanlage den begehrten Titel als „anerkannter Reitstall A" als erster ln Brandenburg und nicht zuletzt auf Grund der guten Nachwuchsarbeit wurde die Reitschule Dieter Pumpa am 15. April 1995 zum offiziellen Landesleistungs­stützpunkt berufen und Fred Gidow zum Trainer ernannt.

1991 wurde auch die Tradition der Pfingstturniere wieder aufgenommen und mit mehr als 200 Pferden aus ganz Deutschland am Start auch die reiterliche „Wiedervereinigung" vollzogen. Nach dem 24. Turnier im vergangenen Jahr, bei dem Reiter aus 66 Vereinen mit 289 Pferden an den Start gingen, gelang Sielow auch der Durchbruch im bundesweiten Turniersport. Sielow hat inzwischen in der Reiterwelt einen Namen und so wundert es keinen, daß schon lange vor Nennungsschluß im Mai 1995 alle Boxen für das 25. Pfingstturnier ausgebucht waren. Schnellentschlossen orderten die Sielower Reitsportfreunde noch einmal l 00 Boxen nach. schließlich haben sieb hochkarätige Reiter aus allen Teilen Deutschlands angesagt.
Ein besonderer Leckerbissen neben den Puplikumsmagneten auf dem Springparcours, wie Olympiasieger und Bugabotschafter Ludger Beerbaum, Vorjahrssieger der Audi Quatro Trophy Dolf Dieter Keller und Holger Wulschner um nur einige zu nennen, dürften in diesem Jahr auch die erstklassig besetzten Dressurprüfungen im neugestalteten Dressurbereich sein,

Die erfolgreichsten Pferde von Dieter Pumpa im Springen der Klasse Mund Klasse S waren:
Mira, Federmaid, Castell, Roman, Dou­ceur; Taifun, Estrade, Rupiah, Robin Fly Sky Rocket, Gerrik,Mineral, Manrico, Maible roux, Big Band

Legende zum Reitwegenetz von der Wendezeit bis heute

Vor der Wendezeit (bis 1990) waren Wald und Flur überall zu bereiten danach lösten sich die meisten Reitvereine der LPG und VEG auf, die Wälder etc gingen an die Urbesitzer zurück
diese hatten zwischenzeitlich wie in den alten Bundesländern etwas dagegen,daß ihre Wälder und Flure von Pferden zertreten wurden, oftmals waren die Felder zwischenzeitlich auch von Jägern etc. angepachtet.

Da ich derartige Story' s auch von anderen Reitern kannte,trat ich sofort den Weg zum Forstbetrieb Peitz (HermApitz-Leiter der Forstbehörde) an und bat darum,uns das seit 20 Jahren bestehende Reitwegenetz zu kennzeichnen, als einziger Verein, bzw. Betrieb (Reitschule VET.-Ing. D.Pumpa) der Region bzw. des damaligen Bezirkes Cottbus.
Herr Apitz sandte mir einen noch wenig im Reiten erfahrenen Kollegen(Name mir bis heute nicht bekannt) und mit ihm ritt ich die gewünschte Reitstrecke ab. Diese wurde dann bestätigt und mit Herrn Apitz fuhren mein Koll. Fredi und Herr Apitz und kennzeichneten die ausgewiesene Reitstrecke mit runden, blauen Metallschildern auf welchen ein weißes Pferd zu sehen ist.Einige dieser Schilder hängen noch heute,nach fast 30 Jahren im Sielower Forst.
Alle Pferdebesitzer, die das Gelände mit ihren Pferden nutzen wollten,wurden mit Namen des Pferdes und Besitzer in der Forstbehörde registriert, erhielten gegen einen einmaligen Ovolus von 1,50 DM eine Nr.,die an der Trense bei Beritt durch den Wald angebracht werden mußte, dadurch entfiel das „wilde Reiten" fremder Reiter in den Wäldern von Sielow und Umgebung.

Entlang des heutigen Radweges in Richtung Briesen( ehern.Strecke der Spreewaldkleinbahn) gab es rechts und links einen Brandschutzstreifen,der von der Forstbehörde gepflügt und bearbeitet wurde.Den durften wir vor der Wende nicht betreten. Nach der Wende bat man uns, diese 2 Strecken stark zu bereiten, um sich die Pflegearbeiten zu ersparen,dies haben wir gern angenommen,eine Seite war eine tolle Ausrittstrecke für Trab und Galopp und auf der anderen Seite bauten wir uns eine tolle Crossstrecke mit Hindernissen.
Heute sind diese 2 Bahnen nicht mehr zu nutzen,Privatbesitzer haben Bäume und Äste quer liegen und unsere Kletterstrecke unnutzbar gemacht.

In anderer Umgebung insbesondere um Berlin und Potsdam regte sich der Widerstand der Reiter, da sie keine Chance zum Ausreiten durch Wald und Flur hatten.
Daraufhin hat der damalige Landesvberband unter der Regie von Dr. Peter Danckert versucht, Zwischenlösungen für die Reiter zu finden (Grunewald etc.),jedenfalls gab es unendliche Gerichtsverfahren.
Das Finale in meiner Story ist nun das Waldgesetz vom 20.April 2004,welches aber trotzdem nicht ungehindertes Reiten überall in Wald und Flur rechtfertigt, wobei wir in Sielow große Vorteile durch unsere Tradition und der althergebrachten Kennzeichnung der Reitwege haben, was jedoch auch bei uns von einigen Reitern mißbraucht wird.

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